Winterdienst Leoben
Leoben liegt auf rund 540 m in einem Talboden, aus dem die Kaltluft nachts keinen Ausweg findet. Der Winter kommt hier seltener als Neuschnee und öfter als Dauerfrost unter einer Nebeldecke.

Lage und Winterklima
Leoben liegt auf rund 540 m im oberen Murtal, „rund acht Kilometer östlich von Sankt Michael in Obersteiermark und 15 Kilometer westlich von Bruck an der Mur“. Der alte Stadtkern sitzt in der Murschleife, einer Flussschlinge knapp unter der Mündung des Vordernberger Baches. Mit 24.270 Einwohnern mit Hauptwohnsitz (Stand 31. Juli 2026) ist Leoben nach Graz die zweitgrößte Stadt der Steiermark.
Entscheidend für den Winter ist, was ringsum steht. Die Stadt ist umrahmt „im Norden [von] die Ausläufer[n] des Hochschwabs, im Süden die Abhänge der Gleinalpe und im Westen die Ausläufer der Eisenerzer Alpen“. Das ist die Beckenlage in einem Satz: ein Talboden an der Mur, an drei Seiten Gebirge.
Die zweite Zahl dazu steht in der Gemeindestatistik. Der niedrigste Punkt des Stadtgebiets liegt bei 515 m, der höchste am Wetterkogel bei 1.643 m – rund 1.128 Höhenmeter in einer einzigen Stadtgemeinde. Dazu passt, dass 78,69 % der 107,77 km² Gemeindefläche Wald sind und nur 5,27 % Baufläche. Der bewohnte Teil Leobens ist ein schmaler Streifen im Tal, der Rest ist Berg.
Der Kaltluftsee
Daraus folgt das Leobener Winterthema, und es ist ein anderes als in den meisten Städten dieser Sammlung. Kaltluft, die nachts von den Hängen abfließt, sammelt sich am Talboden und findet keinen Ausweg. Was oben klare Höhenlage ist, ist unten Hochnebel bei Dauerfrost.
Das ist keine Stimmungsbeschreibung, sondern amtlich beschrieben. Das Land Steiermark ordnet den Talabschnitt der Klimaregion D.8 „Murtal von Preg bis Bruck“ zu und weist für sie aus: rund 130 Frosttage pro Jahr, eine Schneedecke an „70–80 d/a“ und Hochnebel an „70 und 90 d/a“ bei einer Nebelobergrenze um 1.000 m. Die Folge steht direkt daneben: Im Dezember bleiben nur rund 25 % der möglichen Sonnenscheindauer übrig. Charakteristisch sei die ausgeprägte Neigung zu stabilen Inversionen und Hochnebel, besonders im Bereich der Liesingtal-Einmündung; die Nebeldecke löse sich häufig erst im Lauf des Vormittags auf.
Für den Winterdienst ist das die praktisch folgenreichste Aussage der ganzen Seite. Was am späten Vormittag antaut, gefriert am Nachmittag wieder, weil die Sonne fehlt, die eine geräumte Fläche trocknet. Nicht die Schneemenge macht in Leoben die Arbeit, sondern die Dauer.
Drei Jännerwerte – und warum hier nur zwei stehen
Leoben hat eine eigene Klimastation, aber ein Datenproblem. Die GeoSphere-Station auf 544 m veröffentlicht Mittelwerte für die Periode 2013–2025 – nicht für die Klimanormalperiode 1991–2020. Eine 13-Jahres-Reihe aus einer Phase deutlicher Erwärmung liegt systematisch über einer 30-Jahres-Normalperiode. Diese Zahlen sind also brauchbar, aber sie sind kein Normalwert, und sie werden hier auch nicht als einer ausgegeben:
- Station Leoben, 544 m, Periode 2013–2025: Jänner −0,2 °C bei einem mittleren Tagesminimum von −3,4 °C, 25,5 Frosttage im Jänner und 92,8 im Jahr, 750 mm Jahresniederschlag, 3,1 Sonnenstunden pro Tag im Jänner.
- Station Bruck an der Mur, 489 m, Normalperiode 1991–2020 (15 km talabwärts im selben Murtal-Abschnitt): Jänner −1,6 °C, im Jahr 104,1 Frosttage und 50,8 Tage mit Schneedecke, im Jänner allein 27,2 Frosttage und 18,1 Schneedeckentage.
Zwei Dinge gehören dazu. Erstens veröffentlicht die Leobener Tabelle keine Schneedeckentage – eine Zahl dafür steht hier deshalb nicht, sie wäre geschätzt. Zweitens gehören die 50,8 Tage Bruck an der Mur und nicht Leoben; Leoben liegt rund fünfzig Meter höher, was für sich genommen noch keine eigene Zahl ergibt.
Was aus beiden Reihen übereinstimmend hervorgeht, ist das Muster: rund 93 bis 104 Frosttage im Jahr, davon der größte Teil zwischen Dezember und Februar, bei geringen Niederschlagsmengen von 27 bis 40 mm pro Wintermonat. Leoben friert häufiger, als es schneit.
Ein Beleg, der ohne Statistik auskommt
Am kürzesten lässt sich der Leobener Winter über etwas anderes belegen. Die Stadt schreibt selbst: „Leoben verfügt über eine fünf Kilometer lange Langlaufloipe im Schladnitzgraben.“ Eine Stadt, die im eigenen Gemeindegebiet eine Loipe betreibt, hat verlässlich Schnee – das ist ein ehrlicherer Beleg als jeder Durchschnittswert. Das Skigebiet Präbichl liegt zudem „nur rund 20 Kilometer“ entfernt.
Was ein Wochenende zeigt
Statt einer Modellzahl gibt es einen benannten Ernstfall, und er fällt anders aus als in Steyr oder Graz. Am Wochenende vor dem 23. Februar 2026 standen die Feuerwehren des Bezirks im Dauereinsatz. „Die FF Leoben-Stadt leistete allein am Freitag mit 65 Kräften insgesamt 107 Einsatzstunden.“ Die FF Leoben-Göss arbeitete „insgesamt 28 Einsätze – von Fahrzeugbergungen über Liftöffnungen hin zu Brandmeldealarmen“ ab.
Der Schwerpunkt lag aber nicht in der Stadt. Auf der Schnellstraße S 6 mussten zwischen St. Michael und Bruck rund 40 Sattelzüge abgeschleppt werden; auf der A 9 standen zwischen Mautstelle Gleinalm und Tunnelportal mehrere Lkw quer, für die Feuerwehren erst den Weg für die ASFINAG-Schneepflüge frei machen mussten. Innerhalb des Stadtgebiets nennt der Bericht einen einzigen Punkt namentlich: „Auch auf dem Häuselberg sorgten hängengebliebene LKW und PKW im Graben für Dauerbeschäftigung der Wehren aus Leoben, Niklasdorf und Proleb.“ Als Mitursache führt er mangelnde Winterausrüstung an Fahrzeugen an, dazu umgestürzte Bäume unter Schneelast.
Das war ein Einzelereignis, kein Regelfall. Es benennt aber präzise, wo Leoben empfindlich ist: an den Durchzugsachsen, die die Stadt gar nicht selbst räumt. Wer solche Lagen kommen sehen will, ist auf Wetterdaten angewiesen, nicht auf den Blick aus dem Fenster – zumal der bei Hochnebel wenig hergibt.
Räum- und Streupflicht vor Ort
In Österreich gibt es keine kommunale Streupflichtsatzung nach deutschem Muster. Maßgeblich ist bundesweit § 93 der Straßenverkehrsordnung 1960. Abs. 1 verpflichtet Eigentümer von Liegenschaften im Ortsgebiet, dafür zu sorgen, dass die entlang der Liegenschaft in einer Entfernung von nicht mehr als 3 m vorhandenen, dem öffentlichen Verkehr dienenden „Gehsteige und Gehwege einschließlich der in ihrem Zuge befindlichen Stiegenanlagen entlang der ganzen Liegenschaft in der Zeit von 6 bis 22 Uhr von Schnee und Verunreinigungen gesäubert sowie bei Schnee und Glatteis bestreut“ sind. Fehlt ein Gehsteig, ist „der Straßenrand in der Breite von 1 m zu säubern und zu bestreuen“; in Fußgängerzonen und Wohnstraßen ohne Gehsteig gilt nach Abs. 1a „ein 1 m breiter Streifen entlang der Häuserfronten“. Abs. 2 verlangt zusätzlich, „Schneewächten oder Eisbildungen von den Dächern“ der an der Straße gelegenen Gebäude zu entfernen.
Diese Pflicht lässt sich für Leoben doppelt belegen. Die Stadt gibt sie auf ihrer eigenen Winterdienst-Seite im Wortlaut wieder – samt der Zeit von „06:00 – 22:00 Uhr“, dem Meter Straßenrand und der Dachlast. Wer wissen will, was er selbst muss, findet es also nicht nur im Gesetzblatt, sondern auch bei seiner Gemeinde.
Leoben wandelt nichts ab
§ 93 Abs. 4 erlaubt der Behörde, per Verordnung die Zeiten einzuschränken, die Pflichten auf bestimmte Straßenstrecken zu beschränken oder festzulegen, dass nicht alle Verrichtungen vorzunehmen sind. Städte greifen unterschiedlich zu: Wels hat die Zeiten verkürzt und lässt die Pflicht schon um 20 Uhr enden, Steyr nimmt elf Strecken ganz von Räumung und Streuung aus.
Leoben tut, soweit öffentlich einsehbar, weder das eine noch das andere. Die Stadt führt ihre Ortsverordnungen in einer eigenen Übersicht; gelistet sind dort beim Abruf am 29. August 2026 Abfallabfuhrordnung, Amtliches Straßenverzeichnis, Bibliotheks-, Friedhofs-, Gesundheits- und Lärmschutz-, Grünanlagen-, Hausnummerntafel-, Hundeabgabe-, Kanalabgaben-, Stellplatz-, Parkgebühren- und Leerstandsabgabeverordnung sowie das Ortsbildkonzept. Eine Verordnung nach § 93 Abs. 4 StVO steht nicht darunter, und eine Streumittelverordnung, wie sie Graz kennt, ebenso wenig.
Zwei Einschränkungen gehören zu diesem Befund. Er belegt, dass in der veröffentlichten Sammlung und auf der Amtstafel zum genannten Stichtag keine solche Verordnung geführt wird – nicht, dass es nie eine gegeben hat oder geben wird. Und er hat ein Verfallsdatum: Wer heute darauf baut, sieht vor der Saison in derselben Übersicht nach.
Für die Praxis heißt der Befund: In Leoben gilt das bundesweite Fenster von 6 bis 22 Uhr unverändert, auf der ganzen Strecke, für alle Verrichtungen. Das ist kein Nachteil gegenüber Steyr, sondern schlicht die einfachere Lage – es gibt keine Ausnahmeliste, die man kennen müsste.
Was die Stadt selbst räumt – und wo sie beginnt
Interessanter als das, was Leoben nicht geregelt hat, ist die Reihenfolge, die es geregelt hat. Für den städtischen Winterdienst wird „jährlich ein Organisationsplan erstellt, der den Räum- und Streuplan beinhaltet“; darin sind die vom Wirtschaftshof betreuten Gemeindestraßen nach Dringlichkeitsstufen gegliedert. Die Stufen selbst veröffentlicht die Stadt nicht – die Rangfolge einer Nachbarstadt lässt sich darauf nicht übertragen.
Den ersten Punkt nennt sie aber, und er fällt auf: „Höchste Priorität beim Winterdienst haben die Aufrechterhaltung des öffentlichen Nahverkehrs [und] die Sicherung der Ver- und Entsorgung der Stadt Leoben.“
Das ist ein anderes Ordnungsprinzip als andernorts. Steyr beginnt bei den Hauptverkehrsstraßen, also beim Verkehrsfluss. Leoben beginnt beim Betrieb der Stadt – bei den Buslinien und bei den Wegen, auf denen Versorgung und Entsorgung laufen. Praktisch ist das dieselbe Arbeit in anderer Reihenfolge, aber es verschiebt die Prioritäten weg von der Durchfahrt hin zu den Linien, die auch Randlagen erschließen. Der Stadtverkehr fährt fünf Linien zwischen Zentrum, Donawitz, Göss, Lerchenfeld und Hinterberg; dazu kommt ein Rufbus, der unter anderem Nennersdorf und den Schladnitzgraben bedient. Für einen kommunalen Winterdienst ist eine solche Stufung ohnehin der übliche Weg, begrenzte Fahrzeuge zu verteilen – die Frage ist nur, wonach gestuft wird.
Ebenso deutlich grenzt die Stadt ab, was sie nicht übernimmt: „Öffentliche Straßen, die keine Gemeindestraßen sind, werden von der Landes- bzw. der Bundesstraßenverwaltung vom Schnee geräumt. Davon ausgenommen sind Privatstraßen.“ Für die Landesstraßen bestimmt § 29 LStVG. 1964: „Die zur Aufrechterhaltung des Verkehrs unbedingt notwendige Schneeräumung, die Kennzeichnung des Straßenrandes mittels Schneezeichen und das erforderliche Aufstreuen von Sand obliegt der zuständigen Straßenverwaltung.“ Zuständig ist die Straßenmeisterei Leoben in der Region Bruck an der Mur.
Vor dem Winter stellt der Wirtschaftshof Schneestangen auf und verteilt Streustoffbehälter im Stadtgebiet. Die Kisten sind das sichtbare Zeichen dafür, wo die Stadt mit Handarbeit rechnet, weil kein Fahrzeug hinkommt.
Womit gestreut wird: eine offene Frage mit einer Zahl daneben
Anders als Graz, das eine Streumittelverordnung hat, veröffentlicht Leoben keine eigene Vorgabe zum Streumittel auf Anrainerflächen. Weder ein Salzverbot noch eine Splittvorgabe noch eine Körnungsangabe ist belegbar, und nichts davon wird hier behauptet. Was gilt, ist die Bundesregel aus § 93 Abs. 3 StVO: „bei Streuung mit Salz sind Baumscheiben und Grünflächen von der Bestreuung jedenfalls auszunehmen“.
Ein Hinweis darauf, womit die Stadt auf ihren eigenen Flächen arbeitet, steckt allerdings in der Bilanz: In der Saison 2023/2024 wurden 772 Tonnen Salz und Sole ausgebracht, aber nur 169 Tonnen Splitt. Leoben arbeitet auf den eigenen Strecken also überwiegend mit Auftaumitteln, nicht abstumpfend. Das ist eine Aussage über den städtischen Betrieb, keine Vorgabe für Anrainer – wer für eine bestimmte Fläche sichergehen will, fragt beim Referat Bau- und Straßenrecht nach. Wo unterschiedliche Mittel zum Einsatz kommen, hält ein Streubericht fest, was auf welcher Fläche ausgebracht wurde.
Was bei Verstoß droht
Verwaltungsrechtlich begeht eine Übertretung nach § 99 Abs. 4 lit. h StVO, wer „entgegen der sich für ihn aus § 93 ergebenden Verpflichtung nicht für die Säuberung oder Bestreuung der Straße sorgt“. Vorgesehen ist eine Geldstrafe bis zu 72 Euro, im Fall ihrer Uneinbringlichkeit Freiheitsstrafe bis zu 48 Stunden. Für nicht entfernte Schneewächten und Eisbildungen vom Dach greift dagegen der weitere Rahmen des § 99 Abs. 3 StVO mit bis zu 726 Euro – die höhere Zahl bildet das größere Gefahrenpotenzial ab. Die Höhe richtet sich jeweils nach dem Einzelfall.
Gewichtiger ist in der Praxis meist die zivilrechtliche Seite. Anrainer haften nach der Rechtsprechung bereits bei leichter Fahrlässigkeit, während der Wegehalter nach § 1319a ABGB erst bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz einzustehen hat; ein Anrainer nach § 93 StVO gilt nicht als Wegehalter. Im Streit zählt dann, ob, wann und womit tatsächlich geräumt und gestreut wurde – ein nachvollziehbarer Einsatznachweis ist an dieser Stelle oft der entscheidende Punkt. Diese Angaben ersetzen keine Rechtsberatung.
Praxis und Besonderheiten
130 Kilometer Gehsteig
Eine Zahl aus der Gemeindestatistik sagt mehr über die Anrainerpflicht in Leoben als jede Rechtserläuterung: Die Stadt zählt rund 190 km Straßen, aber 130 km Gehsteige. Das ist die Fläche, auf der § 93 StVO greift – und sie liegt nicht bei der Stadt, sondern verteilt auf tausende Liegenschaften.
Zum Vergleich nennt die Winterdienst-Seite für die Saison 2023/2024 200 km zu räumende Straßen und 41 km Geh- und Radwege. Die beiden Zahlenwerke sind unterschiedlich definiert – Räumkilometer sind nicht Straßenkilometer, und Geh- und Radwege sind dort zusammengefasst –, sie lassen sich deshalb nicht gegeneinander rechnen. Was in beiden Fällen sichtbar wird: Der städtische Anteil an den Gehflächen ist der kleinere.
Schnee, der weggefahren werden muss
Die auffälligste Zahl der Bilanz ist eine andere: 11.800 Tonnen abgeführter Schnee in einer Saison. Das ist eine Eigenschaft der Talstadt. Wo die Straße zwischen geschlossener Bebauung und Fluss verläuft, gibt es seitlich keinen Platz, an dem ein Schneewall liegen bleiben könnte – der Schnee muss geladen und weggebracht werden. Dazu kommen 657.000 m² Räumfläche und 41 km Geh- und Radwege.
Für Betriebe, die im Stadtgebiet mehrere Liegenschaften betreuen, hat das eine praktische Seite: Die Frage ist nicht nur, wann geräumt wurde, sondern wohin der Schnee gekommen ist. § 93 Abs. 6 StVO macht das Ablagern von Schnee auf der Straße ausdrücklich bewilligungspflichtig. Eine Leobener Informationsseite dazu gibt es nicht, eine Bewilligungsstelle wird hier deshalb nicht benannt – die Bundesregel gilt trotzdem. Ein Räumprotokoll, das die Flächen einzeln führt, statt sie zu einem Eintrag zusammenzuziehen, hält solche Unterschiede fest.
Zwei Adressen, zwei Fragen
Leoben trennt die Zuständigkeiten sauberer, als es die meisten Städte tun, und die Unterscheidung ist für Leser praktisch brauchbar:
- Wer wissen will, wann geräumt wird, fragt das Referat Wirtschaftshof in der Abteilung Infrastruktur und Technik. Dessen Bereich Bauhof & Müllbeseitigung umfasst „Straßendienst, Winterdienst, Müllabfuhr, Abholung von Sperrmüll und von Strauchschnitt“.
- Wer wissen will, was er selbst muss, fragt das Referat Bau- und Straßenrecht, Sicherheit.
Wenn der Transit die Kräfte bindet
Der Februar 2026 hat gezeigt, was Leoben von einer gleich großen Stadt ohne Durchzugsverkehr unterscheidet. Die Stadt liegt an zwei hochrangigen Achsen – der S 6 und der A 9 Richtung Gleinalm –, die sie nicht selbst räumt, deren Störungen aber genau die örtlichen Kräfte binden, die sonst im Stadtgebiet arbeiten. Vierzig hängengebliebene Sattelzüge auf der Schnellstraße sind kein Problem des städtischen Winterdienstes und trotzdem eines für die Stadt.
Für einen Betrieb, der an solchen Tagen mehrere Objekte anfährt, verschiebt sich damit weniger die Arbeitsmenge als die Reihenfolge und die Fahrzeit. Wo Touren über Waasenbrücke, Talachse und die Gräben Richtung Göss und Schladnitzgraben laufen, hilft eine Aufzeichnung per GPS beim späteren Nachvollziehen, wann welche Fläche tatsächlich an der Reihe war. Und eine saubere Dokumentation der Einsätze hält fest, wann die Frühschicht fertig war – bei einer 6-Uhr-Grenze ist das der Punkt, auf den es ankommt. Für eine Hausbetreuung mit Objekten in Innenstadt, Waasen und Donawitz ist das kein Papierkram, sondern die einzige Möglichkeit, hinterher zu erklären, warum welche Fläche wann drankam.
Semesterbetrieb und Schichtwechsel
Zwei Leobener Eigenheiten fallen in die Glättesaison, ohne dass sich dazu etwas belegen ließe – sie werden hier deshalb als das benannt, was sie sind: naheliegende Beobachtungen, keine Quellenaussagen. Die Montanuniversität, seit 1. November 1849 in Leoben, bringt genau von Oktober bis Ende Jänner den höchsten Fußgängerverkehr in die Stadt. Und das Hüttenwerk in Donawitz mit rund 2.300 Beschäftigten arbeitet im Schichtbetrieb, also mit Wegen zur Arbeit zu Zeiten, die außerhalb des Bürorhythmus liegen. Wer welche Flächen dort räumt, ist nicht öffentlich dokumentiert und wird hier nicht behauptet.
Umland und Nachbargemeinden
Leoben grenzt an sieben Gemeinden und liegt dabei am Schnittpunkt dreier Bezirke. Im eigenen Bezirk Leoben sind das Sankt Peter-Freienstein und Trofaiach im Norden sowie Sankt Michael in Obersteiermark, Proleb und Niklasdorf im Westen. Im Osten folgt Bruck an der Mur (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag), im Süden jenseits der Gleinalpe Übelbach und Frohnleiten (Bezirk Graz-Umgebung).
Die Nachbarschaft ist im Winter keine Formalie. Die Feuerwehren aus Niklasdorf und Proleb standen im Februar 2026 gemeinsam mit Leoben am Häuselberg im Einsatz; talabwärts nach Osten liegt Bruck an der Mur, das in diesem Text als Klimareferenz dient, weil es die Normalperiode hat, die Leoben fehlt. Nach Süden führt die A 9 über die Gleinalm Richtung Graz – dort standen im selben Ereignis die Lkw quer. Und nach Westen, rund acht Kilometer entfernt, mündet bei Sankt Michael das Liesingtal: genau der Bereich, für den die Klimaregion besonders ausgeprägten Talnebel nennt.
Der Vergleich mit den bestehenden Seiten macht das Leobener Profil schärfer. Graz liegt ebenfalls in einem Becken, aber tief und ohne Berghinterland – und hat eine Streumittelverordnung, die Leoben nicht hat. Steyr hat die Höhenstufen, aber kein Becken – und hat von § 93 Abs. 4 StVO Gebrauch gemacht, wo Leoben es nicht getan hat. Wels wiederum hat dieselbe Bestimmung genutzt, um die Zeiten zu verkürzen. Leoben ist der Fall, in dem das Bundesrecht unverändert durchschlägt: 6 bis 22 Uhr, ganze Strecke, alle Verrichtungen.
Innerhalb der Steiermark liegt der schärfste Kontrast weiter westlich. Schladming im oberen Ennstal hat den Winter, den man erwartet: über hundert Schneedeckentage am Talboden und mehr als 2.100 Höhenmeter in einer einzigen Gemeinde. Leoben hat den anderen – weniger Schnee, dafür Frost und Nebel über Wochen. Beide Städte kommen dabei zum selben Ergebnis: keine eigene Verordnung, sondern das Bundesrecht unverändert.
Wer über die Stadtgrenze hinaus arbeitet, prüft die dort geltenden Verordnungen gesondert – der Leobener Negativbefund sagt nichts über die Nachbargemeinden. Diese Angaben ersetzen keine Rechtsberatung.
Ortsspezifische Fakten
- Lage
- „Leoben liegt im oberen Murtal, rund acht Kilometer östlich von Sankt Michael in Obersteiermark und 15 Kilometer westlich von Bruck an der Mur. Der alte Stadtkern wurde in der Murschleife begründet, einer Flussschlinge knapp unter der Mündung des von Nordwesten kommenden Vordernberger Baches.“ Umrahmt wird die Stadt „im Norden [von] die Ausläufer[n] des Hochschwabs, im Süden die Abhänge der Gleinalpe und im Westen die Ausläufer der Eisenerzer Alpen“. Leoben ist nach Graz die zweitgrößte Stadt der Steiermark.Quelle 1
- Höhen und Fläche
- Die durchschnittliche Seehöhe beträgt 540 m, der niedrigste Punkt des Gemeindegebiets liegt bei 515 m, der höchste am Wetterkogel bei 1.643 m – eine Spanne von rund 1.128 Höhenmetern innerhalb einer einzigen Stadtgemeinde. Die Gesamtfläche umfasst 107,77 km², davon sind 78,69 % Wald und nur 5,27 % Baufläche. Die Stadt zählt am 31. Juli 2026 24.270 Einwohner mit Hauptwohnsitz und zusätzlich 3.637 mit Nebenwohnsitz. Zum Straßennetz gehören rund 190 km Straßen, 130 km Gehsteige und rund 30 km Radwege.Quelle 2
- Weitere Angabe
- Winterklima, Station Leoben – mit ausdrücklichem Periodenvorbehalt: Für Leoben besteht eine GeoSphere-Station auf 544 m, ihre publizierten Mittelwerte beziehen sich aber auf die Periode 2013–2025 und nicht auf die Klimanormalperiode 1991–2020. Für diese Reihe gilt: Jännermittel −0,2 °C bei einem mittleren Tagesminimum von −3,4 °C, 25,5 Frosttage im Jänner und 92,8 im Jahr, 750 mm Jahresniederschlag, 3,1 Sonnenstunden pro Tag im Jänner. Schneedeckentage weist die Tabelle nicht aus.Quelle 3
- Referenzwert mit echter Normalperiode
- Die nächstgelegene Station mit publizierten Normalwerten 1991–2020 ist Bruck an der Mur auf 489 m, 15 km talabwärts im selben Murtal-Abschnitt. Dort liegt das Jännermittel bei −1,6 °C, das mittlere Tagesminimum im Jänner bei −4,6 °C; im Jahr werden 104,1 Frosttage und 50,8 Tage mit Schneedecke gezählt, im Jänner allein 27,2 Frosttage und 18,1 Schneedeckentage.Quelle 4
- Die amtliche Klimaregion
- Das Land Steiermark ordnet den Talabschnitt, in dem Leoben liegt, der Klimaregion D.8 „Murtal von Preg bis Bruck“ zu. Ausgewiesen sind für die Region rund 130 Frosttage pro Jahr, eine Schneedecke an „70–80 d/a“ und Hochnebel an „70 und 90 d/a“ bei einer Nebelobergrenze um 1.000 m. Die Sonnenscheindauer ist dadurch deutlich reduziert – im Dezember bleiben nur rund 25 % der möglichen Dauer. Charakteristisch ist die ausgeprägte Neigung zu stabilen Inversionen und Hochnebel, besonders im Bereich der Liesingtal-Einmündung; die Nebeldecke löst sich häufig erst im Lauf des Vormittags auf. Referenzmessort der Region ist Kraubath mit einem Jännermittel von −4 °C aus einer älteren Referenzperiode.Quelle 5
- Rechtsgrundlage (bundesweit)
- § 93 Abs. 1 StVO 1960 verpflichtet Liegenschaftseigentümer im Ortsgebiet, dafür zu sorgen, dass die entlang der Liegenschaft in einer Entfernung von nicht mehr als 3 m vorhandenen, dem öffentlichen Verkehr dienenden „Gehsteige und Gehwege einschließlich der in ihrem Zuge befindlichen Stiegenanlagen entlang der ganzen Liegenschaft in der Zeit von 6 bis 22 Uhr von Schnee und Verunreinigungen gesäubert sowie bei Schnee und Glatteis bestreut“ sind. Fehlt ein Gehsteig, ist „der Straßenrand in der Breite von 1 m zu säubern und zu bestreuen“. Nach Abs. 1a gilt in Fußgängerzonen und Wohnstraßen ohne Gehsteig die Verpflichtung „für einen 1 m breiten Streifen entlang der Häuserfronten“. Abs. 2 verlangt, dass „Schneewächten oder Eisbildungen von den Dächern ihrer an der Straße gelegenen Gebäude bzw. Verkaufshütten entfernt werden“. Abs. 3 nimmt Rücksicht auf Wasserabfluss, Leitungen und Bäume und bestimmt: „bei Streuung mit Salz sind Baumscheiben und Grünflächen von der Bestreuung jedenfalls auszunehmen“. Abs. 6 macht das Ablagern von Schnee auf der Straße bewilligungspflichtig.Quelle 6
- Weitere Angabe
- Die Stadt gibt die Pflicht selbst wieder – und benennt ihre eigene Rangfolge: Auf ihrer Serviceseite führt die Stadt Leoben die Anrainerpflicht nach § 93 StVO im Wortlaut an, einschließlich der Zeit von „06:00 – 22:00 Uhr“, des 1 Meter breiten Straßenrands ohne Gehsteig und der Pflicht, „Schneewechten oder Eisbildungen von den Dächern“ zu entfernen. Für den eigenen Winterdienst nennt sie eine ungewöhnliche Priorität: „Höchste Priorität beim Winterdienst haben die Aufrechterhaltung des öffentlichen Nahverkehrs [und] die Sicherung der Ver- und Entsorgung der Stadt Leoben.“ Für den Winterdienst wird „jährlich ein Organisationsplan erstellt, der den Räum- und Streuplan beinhaltet“, in dem die betreuten Gemeindestraßen nach Dringlichkeitsstufen gegliedert sind. Zur Abgrenzung heißt es: „Öffentliche Straßen, die keine Gemeindestraßen sind, werden von der Landes- bzw. der Bundesstraßenverwaltung vom Schnee geräumt. Davon ausgenommen sind Privatstraßen.“ Zur Vorbereitung stellt der Wirtschaftshof Schneestangen auf und verteilt Streustoffbehälter im Stadtgebiet.Quelle 7
- Winterdienst-Bilanz der Saison 2023/2024
- Die Stadt beziffert 200 km zu räumende Straßen, 657.000 m² Räumfläche und 41 km Geh- und Radwege. Abgeführt wurden 11.800 Tonnen Schnee, gestreut 169 Tonnen Splitt sowie 772 Tonnen Salz und Sole. Einsatzstunden und Fahrzeugzahlen veröffentlicht die Stadt nicht.Quelle 7
- Negativbefund zur Ortsrechtslage
- Die Stadt Leoben führt ihre Ortsverordnungen in einer eigenen Übersicht. Gelistet sind dort beim Abruf am 29. August 2026 Abfallabfuhrordnung, Amtliches Straßenverzeichnis, Bibliotheks-Benutzungs- und Gebührenordnung, Friedhofsordnung, Gesundheits- und Lärmschutzverordnung, Grünanlagenverordnung, Hausnummerntafel-Verordnung, Hundeabgabeordnung, Kanalabgabenordnung, Kraftfahrzeug-Stellplatzverordnung, Ortsbildkonzept 2.0, Parkgebührenverordnung sowie die Verordnung zur Zweitwohnsitz- und Wohnungsleerstandsabgabe. Eine Verordnung nach § 93 Abs. 4 StVO – also weder eine Streckenausnahme noch eingeschränkte Zeiten – ist dort ebenso wenig verzeichnet wie eine Streumittelverordnung.Quelle 8
- Zwei Anlaufstellen mit klarer Trennung
- Für die Räumung ist das Referat Wirtschaftshof in der Abteilung Infrastruktur und Technik zuständig; sein Bereich „Bauhof & Müllbeseitigung“ umfasst „Straßendienst, Winterdienst, Müllabfuhr, Abholung von Sperrmüll und von Strauchschnitt“. Für Fragen zu den Anrainerpflichten verweist die Stadt dagegen auf das Referat Bau- und Straßenrecht, Sicherheit.Quelle 9
- Landesstraßen
- § 29 des Steiermärkischen Landes-Straßenverwaltungsgesetzes 1964 bestimmt im Wortlaut: „Die zur Aufrechterhaltung des Verkehrs unbedingt notwendige Schneeräumung, die Kennzeichnung des Straßenrandes mittels Schneezeichen und das erforderliche Aufstreuen von Sand obliegt der zuständigen Straßenverwaltung.“ Die Fassung gilt seit 5. Juli 2008.Quelle 10
- Zuständige Straßenmeisterei
- Die Straßenmeisterei Leoben liegt am Kreuzfeldweg 4 und gehört zur Fachabteilung Straßenerhaltungsdienst, Region Bruck an der Mur, die insgesamt vier Straßenmeistereien umfasst – Bruck an der Mur, Gußwerk, Leoben und Mürzzuschlag. Ein Betreuungsgebiet in Textform oder eine Kilometerzahl nennt das Land dazu nicht.Quelle 11
- Ein belegter Ernstfall – und zwar ein Transit-Ereignis
- Am Wochenende vor dem 23. Februar 2026 standen die Feuerwehren des Bezirks im Dauereinsatz. „Die FF Leoben-Stadt leistete allein am Freitag mit 65 Kräften insgesamt 107 Einsatzstunden.“ Die FF Leoben-Göss arbeitete „insgesamt 28 Einsätze – von Fahrzeugbergungen über Liftöffnungen hin zu Brandmeldealarmen“ ab. Auf der Schnellstraße S 6 mussten zwischen St. Michael und Bruck rund 40 Sattelzüge abgeschleppt werden, auf der A 9 standen zwischen Mautstelle Gleinalm und Tunnelportal mehrere Lkw quer, für die Feuerwehren den Weg für die ASFINAG-Schneepflüge frei machten. „Auch auf dem Häuselberg sorgten hängengebliebene LKW und PKW im Graben für Dauerbeschäftigung der Wehren aus Leoben, Niklasdorf und Proleb.“ Als Mitursache nennt der Bericht mangelnde Winterausrüstung an Fahrzeugen sowie umgestürzte Bäume unter Schneelast.Quelle 12
- Weitere Angabe
- Öffentlicher Verkehr, weil er die oberste Winterdienst-Priorität ist: Den Stadtverkehr Leoben in der Zone 102 betreiben die Stadtwerke Leoben mit den Linien 1 Zentrum–Donawitz, 2 Zentrum–Göss, 3 Zentrum–Lerchenfeld, 4 Zentrum–Hinterberg–Göss und 7 Lerchenfeld–Donawitz. Dazu kommt ein bedarfsgesteuerter Rufbus, der montags bis freitags von 08:00 bis 18:00 Uhr und samstags von 08:00 bis 16:00 Uhr verkehrt, mindestens 30 Minuten vor der gewünschten Abfahrt zu buchen ist und unter anderem Donawitz, Göss, Lerchenfeld sowie Siedlungen wie Nennersdorf und den Schladnitzgraben erschließt.Quelle 13
- Weitere Angabe
- Winter als Freizeitthema – ein ehrlicherer Schneebeleg als jeder Durchschnittswert: Die Stadt schreibt: „Leoben verfügt über eine fünf Kilometer lange Langlaufloipe im Schladnitzgraben. Die familienfreundliche Loipe ist auch für Einsteiger gut geeignet.“ Und: „Das Skigebiet Präbichl ist nur rund 20 Kilometer von Leoben entfernt.“Quelle 14
- Der Stadtteil jenseits des Flusses
- Waasen liegt direkt gegenüber der historischen Innenstadt und ist „über die Waasenbrücke eng mit dem Zentrum verbunden“; die Brücke „verbindet das Viertel direkt mit dem Hauptplatz“. Im Stadtteil liegen zwei Gymnasien, das LKH Hochsteiermark und die Sportanlage Tivoli.Quelle 15
- Universität und Industrie
- Die Montanuniversität Leoben geht auf die 1840 von Erzherzog Johann in Vordernberg gegründete „Steiermärkisch-Ständische Montanlehranstalt“ zurück und nahm den Betrieb in Leoben am 1. November 1849 auf. Im Stadtteil Donawitz betreibt die Voestalpine ein Hüttenwerk mit rund 2.300 Beschäftigten, dem größten Arbeitgeber der Stadt; dessen Betriebsfeuerwehr war beim Schneeereignis im Februar 2026 mit im Einsatz. Im Stadtteil Göss produziert die Brauerei „jährlich mehr als eine Million Hektoliter Bier“.Quelle 16
Quellen
- 1de.wikipedia.org · Leoben
- 2leoben.at · gemeindestatistik
- 3tauernwetter.at · leoben
- 4tauernwetter.at · bruck-an-der-mur
- 5umwelt.steiermark.at
- 6ris.bka.gv.at
- 7leoben.at · winterdienst
- 8leoben.at · verordnungen
- 9leoben.at · wirtschaftshof
- 10jusline.at
- 11verkehr.steiermark.at
- 12meinbezirk.at
- 13leoben.at · bus-rufbus
- 14leoben.at · outdoor-sport
- 15leoben.at · waasen
- 16de.wikipedia.org · Montanuniversität_Leoben
Offizielle Anlaufstellen
Stadt Leoben – Winterdienst & Anrainerpflichten
Die maßgebliche Infoseite der Stadt: der Wortlaut der Anrainerpflicht nach § 93 StVO, die eigene Prioritätenfolge mit Nahverkehr sowie Ver- und Entsorgung an der Spitze, der Hinweis auf den jährlichen Organisationsplan mit Räum- und Streuplan nach Dringlichkeitsstufen und die Bilanz der Saison 2023/2024.
Die veröffentlichte Verordnungssammlung der Stadt. Wer prüfen will, ob Leoben inzwischen doch eine Regelung nach § 93 Abs. 4 StVO oder eine Streumittelverordnung erlassen hat, sieht hier nach – beim Abruf am 29. August 2026 stand dort keine.
Stadt Leoben – Referat Wirtschaftshof
Die Dienststelle, die tatsächlich räumt: Straßendienst und Winterdienst gehören zum Bereich Bauhof & Müllbeseitigung der Abteilung Infrastruktur und Technik. Hier landen Fragen dazu, wann eine Straße an der Reihe ist.
§ 93 StVO 1960 im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS)
Der Wortlaut der Anrainerpflicht in der geltenden Fassung: 3-Meter-Regel, Zeitfenster 6 bis 22 Uhr, 1-Meter-Streifen ohne Gehsteig, Dachlast, die Salzausnahme für Baumscheiben und Grünflächen sowie die Bewilligungspflicht für das Ablagern von Schnee.
Land Steiermark – Straßenerhaltungsdienst, Region Bruck an der Mur
Die für Leoben zuständige Region des Landes mit den vier Straßenmeistereien Bruck an der Mur, Gußwerk, Leoben und Mürzzuschlag. Zuständig für die Landesstraßen, die die Stadt ausdrücklich nicht selbst räumt.
Land Steiermark – Klimaregion D.8, Murtal von Preg bis Bruck
Die amtliche Klimabeschreibung des Talabschnitts: Frosttage, Schneedeckentage, Hochnebeltage, Nebelobergrenze und der Befund zur stark verkürzten Wintersonne. Die belastbarste Quelle dafür, warum der Leobener Winter zäh ist.
Häufige Fragen zum Winterdienst in Leoben
- Wann muss in Leoben geräumt und gestreut sein?
- Von 6 bis 22 Uhr. Leoben nutzt die Möglichkeit, dieses Zeitfenster zu verkürzen, nicht – anders als etwa Wels, wo die Pflicht bereits um 20 Uhr endet. Es gilt also unverändert § 93 Abs. 1 StVO: Gehsteige und Gehwege einschließlich der in ihrem Zuge befindlichen Stiegenanlagen sind entlang der ganzen Liegenschaft und in einer Entfernung von höchstens 3 m von Schnee zu säubern und bei Schnee und Glatteis zu bestreuen. Wo kein Gehsteig vorhanden ist, betrifft das den Straßenrand in 1 m Breite, in Fußgängerzonen und Wohnstraßen ohne Gehsteig einen 1 m breiten Streifen entlang der Häuserfronten. Die Stadt Leoben gibt genau diese Zeiten auf ihrer eigenen Winterdienst-Seite wieder.
- Hat Leoben eine eigene Verordnung zur Räum- und Streupflicht?
- In der veröffentlichten Verordnungssammlung der Stadt stand beim Abruf am 29. August 2026 keine. Gelistet sind dort Abfallabfuhr-, Friedhofs-, Grünanlagen-, Hundeabgabe-, Kanalabgaben-, Stellplatz-, Parkgebühren- und Leerstandsabgabeverordnung sowie das Amtliche Straßenverzeichnis und das Ortsbildkonzept – eine Regelung nach § 93 Abs. 4 StVO ist nicht darunter, eine Streumittelverordnung wie in Graz ebenso wenig. Belegbar ist damit, dass in der öffentlichen Sammlung und auf der Amtstafel zu diesem Stichtag keine steht; das ist nicht dasselbe wie die Aussage, es habe nie eine gegeben. Wer vor der Saison sichergehen will, sieht in derselben Übersicht nach.
- In welcher Reihenfolge räumt die Stadt Leoben?
- Die Stadt erstellt jährlich einen Organisationsplan mit einem Räum- und Streuplan, in dem die betreuten Gemeindestraßen nach Dringlichkeitsstufen gegliedert sind. Die Stufen selbst veröffentlicht sie nicht, den ersten Punkt aber schon: „Höchste Priorität beim Winterdienst haben die Aufrechterhaltung des öffentlichen Nahverkehrs [und] die Sicherung der Ver- und Entsorgung der Stadt Leoben.“ Das ist ein anderes Ordnungsprinzip als in Städten, die bei den Hauptverkehrsstraßen beginnen – es denkt vom Betrieb der Stadt her statt vom Verkehrsfluss. Eine Rangfolge aus einer Nachbarstadt lässt sich auf Leoben nicht übertragen.
- Womit muss ich in Leoben streuen – Salz oder Splitt?
- Eine eigene Leobener Vorgabe dazu ist nicht veröffentlicht. Anders als Graz, das eine Streumittelverordnung hat, macht die Stadt Leoben zum Streumittel auf Anrainerflächen keine Angabe. Verbindlich ist die Bundesregel aus § 93 Abs. 3 StVO: „bei Streuung mit Salz sind Baumscheiben und Grünflächen von der Bestreuung jedenfalls auszunehmen“. Auf ihren eigenen Flächen arbeitet die Stadt überwiegend mit Auftaumitteln – in der Saison 2023/2024 wurden 772 Tonnen Salz und Sole ausgebracht, aber nur 169 Tonnen Splitt. Das ist eine Aussage über den städtischen Betrieb, keine Vorgabe für Anrainer; wer für eine bestimmte Fläche sichergehen will, fragt beim Referat Bau- und Straßenrecht nach.
- Wer räumt die S 6, die A 9 und die Landesstraßen rund um Leoben?
- Nicht die Stadt. Sie grenzt das selbst ab: „Öffentliche Straßen, die keine Gemeindestraßen sind, werden von der Landes- bzw. der Bundesstraßenverwaltung vom Schnee geräumt. Davon ausgenommen sind Privatstraßen.“ Für die Landesstraßen bestimmt § 29 des Steiermärkischen Landes-Straßenverwaltungsgesetzes 1964, dass die notwendige Schneeräumung, die Kennzeichnung des Straßenrandes mit Schneezeichen und das Aufstreuen von Sand der zuständigen Straßenverwaltung obliegt; zuständig ist die Straßenmeisterei Leoben in der Region Bruck an der Mur. Wie eng das zusammenhängt, zeigte der Februar 2026: Als auf der S 6 rund 40 Sattelzüge liegen blieben, band das genau die örtlichen Kräfte, die sonst im Stadtgebiet arbeiten.
- Liegt in Leoben viel Schnee?
- Für Leoben selbst lässt sich diese Frage mit einer Messreihe nicht sauber beantworten. Die Station Leoben auf 544 m veröffentlicht Mittelwerte nur für die Periode 2013–2025 und weist keine Schneedeckentage aus. Die nächstgelegene Station mit echter Normalperiode 1991–2020, Bruck an der Mur auf 489 m, zählt im Mittel 104,1 Frosttage und 50,8 Tage mit Schneedecke pro Jahr – diese Zahlen gehören allerdings Bruck und nicht Leoben. Aussagekräftiger als die Schneemenge ist ohnehin die Kälte: Die amtliche Klimaregion des Talabschnitts weist rund 130 Frosttage, 70 bis 90 Hochnebeltage und im Dezember nur rund 25 Prozent der möglichen Sonnenscheindauer aus. In Leoben friert es häufiger, als es schneit – und Geräumtes trocknet langsamer ab.
- Was droht in Leoben, wenn nicht geräumt oder gestreut wird?
- Zwei Ebenen greifen ineinander. Verwaltungsrechtlich begeht eine Übertretung nach § 99 Abs. 4 lit. h StVO, wer „entgegen der sich für ihn aus § 93 ergebenden Verpflichtung nicht für die Säuberung oder Bestreuung der Straße sorgt“; vorgesehen ist eine Geldstrafe bis zu 72 Euro, ersatzweise Freiheitsstrafe bis zu 48 Stunden. Für nicht entfernte Schneewächten und Eisbildungen vom Dach gilt der weitere Rahmen des § 99 Abs. 3 StVO von bis zu 726 Euro. Die Höhe richtet sich jeweils nach dem Einzelfall. Gewichtiger ist meist die zivilrechtliche Seite: Anrainer haften nach der Rechtsprechung bereits bei leichter Fahrlässigkeit, während der Wegehalter nach § 1319a ABGB erst bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz einzustehen hat. Im Streit zählt dann, ob, wann und womit tatsächlich geräumt und gestreut wurde. Diese Angaben ersetzen keine Rechtsberatung.
Einsätze in Leoben dokumentieren
Wer in Leoben räumt und streut, will im Zweifel nachvollziehbar zeigen können, wann und wo gestreut wurde. Schneespur ist eine quelloffene Software, die genau solche Einsätze festhält – Zeit, Ort und Witterung, als ruhige Grundlage für die eigene Dokumentation der Verkehrssicherungspflicht.
Dieser Überblick dient der Information und ist keine Rechtsberatung. Angaben ohne Gewähr; verbindlich ist stets die örtliche Satzung.