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Schneespur
Branche · 6 min Lesezeit

Wie aus einem Dokumente-Modul nebenbei eine eigene Software wurde

Das Dokumente-Modul ist da. Was als Ablage für Verträge und Nachweise begann, ist beim Thema Online-Unterschrift komplett ausgeufert — bis daraus eine zweite, eigenständige Software wurde: NoSign. Die Geschichte dahinter, ehrlich erzählt.

Von Michael Fuchs

Wie macht das eigentlich der Julian?

Wenn ich an Schneespur arbeite, denke ich oft an meinen Kollegen Julian. Er macht nebenbei Winterdienst — und wegen ihm gibt es das Projekt überhaupt. Also frage ich mich bei jedem neuen Modul: Wie würde der das machen?

Bei Verträgen zum Beispiel. Einfach per Handschlag? Per WhatsApp? Den Vertrag am Computer schreiben, sich mit dem Kunden treffen oder per Post zuschicken? Es gibt viele Wege — und am Ende landet so ein Dokument an genauso vielen Orten. Im E-Mail-Postfach, im Chat, irgendwo im Büro. Und dann darf man es am besten wieder digitalisieren. Umständlich.

Genau dafür gibt es jetzt das Dokumente-Modul. Sorry vorweg für den nüchternen Namen — bei der Titelfindung war ich noch nie gut. Was dahintersteckt, ist deutlich mehr, als der Name vermuten lässt.

Der einfache Teil

Der erste Teil des Moduls nimmt dem Winterdienst die Zettelwirtschaft ab.

Sie laden verschiedene Arten von Dokumenten hoch und weisen sie einem Kunden zu — wenn nötig sogar einem bestimmten Objekt oder Einsatz. Vorhandene Verträge, Nachweise, Rechnungen: alles im Adminbereich, und der Kunde sieht es in seinem Kundenportal.

Es geht auch andersherum. Als Winterdienst können Sie ein Dokument vom Kunden anfordern — etwa einen Versicherungsnachweis oder was Sie eben gerade brauchen. Der Kunde wird informiert, lädt den Nachweis im Kundenportal hoch, und Sie haben ihn. Kein Hinterhertelefonieren mehr.

Klingt einfach? Ist es auch. Der einfache Teil war schnell gebaut.

Und dann wollte ich noch Unterschriften

Dann kam der Gedanke: Man könnte Verträge doch direkt in Schneespur aufsetzen und vom Kunden online unterschreiben lassen. Klingt ebenfalls einfach. Verträge online erstellen — kein Problem.

Online unterschreiben lassen — das war es dann nicht mehr.

Ich wollte das Rad nicht neu erfinden und habe mehrere Open-Source-Lösungen ausprobiert. Bei der einen war nur ein Teil wirklich offen, und der gute Teil kostete extra. Bei der anderen fehlte schlicht die Funktion, die ich brauchte. Was mir als Anbieter wichtig war: Ich wollte eine kostenlose Möglichkeit schaffen, die bei mir läuft. Und ich wollte keine festen Vorlagen erzwingen — wer das Modul nutzt, soll auch eigene Verträge übergeben können, nicht nur eine Handvoll Templates.

Nach genug Anläufen hatte ich genug. Also habe ich mit Claude Code etwas Eigenes gebaut.

So entstand NoSign

Aus dem „kurz eine Unterschrift einbauen” wurde eine zweite, eigenständige Software — so wie Schneespur eine ist. Sie heißt NoSign, wird später ebenfalls Open Source und bekommt ihr Zuhause auf nosign.dev. Die gehostete Instanz, die das Schneespur-Modul antreibt, läuft separat.

NoSign ist bewusst ein reines Backend-Werkzeug. Es gibt keine Anmeldung, keine Registrierung, keine Nutzerverwaltung — die Software bekommt ein PDF und eine Liste der Unterzeichner und führt den ganzen Ablauf durch. Auch das war mir wichtig. Gebaut wurde das über Wochen; eine beachtliche Menge Tokens und das eine oder andere zertrümmerte Köpfchen sind dabei draufgegangen — die geopferten Tokens führe ich halb im Scherz auf meinem kleinen Token-Friedhof.

Technisch steckt mehr drin, als man von außen sieht: eine sichtbare, von Hand gezeichnete Unterschrift, eine E-Mail-Verifizierung vor jedem Dokumentzugriff, ein vollständiger, manipulationssicherer Audit-Trail und am Ende ein versiegeltes PDF. Versiegelt heißt hier: Das fertige Dokument wird nach dem Standard PAdES-B-T mit einem eingebetteten Zeitstempel (RFC 3161) verschlossen. Jede nachträgliche Änderung würde das Siegel brechen und fiele sofort auf. Sobald das unterschriebene PDF zurück bei Schneespur ist, löscht NoSign den Vorgang vollständig — nur eine anonymisierte Audit-Spur bleibt als Beleg.

Der Mittelsmann: meine eigene API

Damit war NoSign fertig — aber noch nicht angebunden. Denn das Modul spricht nicht direkt mit NoSign, sondern über eine eigene Schicht dazwischen: die NoSchmarrn.dev-API (das bin ich, der Entwickler von Schneespur).

Diese API ist der Mittelsmann. Sie übernimmt die Anmeldung bei NoSign und regelt zum Beispiel, wie viele Verträge pro Monat unterschrieben werden können — zum Start 20 Verträge im Monat. Sie speichert dabei selbst keine Verträge; sie reicht durch. Auch die audit.pdf, die später die ganze Beweiskette als lesbares Dokument zusammenfasst, entsteht auf dieser Seite.

Aus dem einen Winterdienst-Tool für Julian sind so nebenbei drei Dinge geworden: das Modul, die API dahinter und NoSign. Der Aufwand für NoSign allein war ungefähr so groß wie für das Modul selbst.

Was der ganz normale Nutzer davon hat

Bei aller Technik im Hintergrund — für den Winterdienst bleibt es überschaubar.

Sie installieren das Modul. Wollen Sie Verträge online unterschreiben lassen, melden Sie sich einmalig dafür an. Das geht direkt aus dem Modul heraus, und Sie unterschreiben dabei selbst einen Vertrag (Datenschutz, Auftragsverarbeitung, Nutzungsbedingungen). So sehen Sie den ganzen Ablauf einmal aus Kundensicht, bevor Sie ihn nutzen.

Danach setzen Sie einen Vertrag auf — mit eigenem Text, Vorlagen kommen später dazu — und legen fest, wer wo unterschreiben soll. Den Rest übernimmt der Ablauf: Der Kunde wird per E-Mail informiert, bestätigt seine Adresse, liest den Vertrag und unterschreibt. Das versiegelte PDF und die audit.pdf landen anschließend automatisch im Adminbereich und im Kundenportal.

In der Audit-Datei steht dann nachvollziehbar, was passiert ist: wann die E-Mail-Verifizierung angefordert und durchgeführt wurde, wann und von wem unterschrieben wurde (festgehalten über E-Mail und einen anonymisierten IP-Hash) und wann der Vertrag zurückkam. Eben alles, was hilft, falls jemand später sagt: „Das war ich nicht.” Den ausführlichen Ablauf Schritt für Schritt habe ich in einem früheren Beitrag beschrieben.

Einfache elektronische Unterschrift — und ihre Grenzen

Ein Punkt ist mir wichtig, damit keine falschen Erwartungen entstehen.

NoSign erzeugt eine einfache elektronische Unterschrift, keine qualifizierte. Eine qualifizierte würde eine Identprüfung per Video oder Personalausweis voraussetzen — das ist bewusst nicht das Ziel. Auch das Siegel ist standardmäßig selbstsigniert; manche PDF-Betrachter zeigen deshalb „Gültigkeit unbekannt” an. Der Wert liegt in der lückenlosen Aufzeichnung, nicht in einem grünen Häkchen.

Für einfache Dienstleistungsverträge reicht eine einfache elektronische Unterschrift meist aus. Ob sie für einen bestimmten Vertrag genügt, hängt aber vom Einzelfall ab. Im Zweifel fragen Sie einen Anwalt.

Zurück zu Julian

Und damit schließt sich der Kreis. Der Julian kann jetzt am Rechner einen Vertrag aufsetzen und zu seinem Kunden sagen: „Unterschreib einfach online.” Der Kunde bekommt eine E-Mail, unterschreibt von zu Hause, und der fertige Vertrag liegt danach für beide Seiten sauber im Kundenportal.

Das nimmt ihm Arbeit ab — und macht ihn ein Stück professioneller. Besser jedenfalls als per Handschlag oder im WhatsApp-Chat.

Das Dokumente-Modul ist ab sofort verfügbar; die heute installierbaren Module finden Sie unter Module. Wenn Sie Winterdienst machen und so etwas für Sie ein Thema ist — oder Sie eine Idee haben, was noch fehlt — freue ich mich über Ihre Rückmeldung.

Hinweis: Schneespur unterstützt die Verwaltung und Dokumentation von Verträgen. Eine Rechtsberatung ersetzt die Software nicht. Ob eine elektronische Unterschrift für einen bestimmten Vertrag ausreicht, sollte im Einzelfall mit einem Anwalt geklärt werden.

— Michael

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