Winterdienst Memmingen
Was den Winter in Memmingen prägt: die Höhenlage auf rund 600 m auf einem alten Gletscherplateau im oberschwäbisch-allgäuischen Vorland mit mehrmonatigem Frost (108 Frost- und 24 Eistage allein 2025) und regelmäßiger Schneedecke, die Straßenreinigungs- und -sicherungsverordnung von 2015 (Gehbahn werktags ab 7, sonn- und feiertags ab 8 Uhr; 1 m Breite, in der Altstadt 2 m; Sand statt Salz) sowie der Bauhof-Winterdienst mit über 75 Mitarbeitenden, rund 50 Räumfahrzeugen und mehr als 1.000 Tonnen Salzvorrat, der Klinik- und Feuerwehrzufahrten zuerst räumt.

Lage und Winterklima
Memmingen liegt auf rund 601 m ü. NHN auf einem alten Gletscherplateau im oberschwäbisch-allgäuischen Vorland, nahe der bayerischen Westgrenze an der Iller, etwa 50 km südlich von Ulm. Als kreisfreie Stadt ist sie nach Norden, Osten und Süden sowie im Westen — mit der Exklave Buxheim — vom Landkreis Unterallgäu umgeben; jenseits der Iller beginnt Baden-Württemberg. Mit 44.378 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2025) auf 70,11 km² und 27 Gemeindeteilen reicht das zu sichernde Wegenetz von der dichten Altstadt bis in die dörflich geprägten Außenbereiche.
Anders als eine Flussstadt im Tal ist Memmingen eine Höhenstadt auf flachem Plateau. Das Gelände staffelt sich vom tiefsten Punkt an der Iller mit 561 m bis zum höchsten im Eisenburger Wald mit 679 m — rund 118 Höhenmeter Spanne, mit den höher gelegenen Hang- und Waldrandlagen im Osten und der Illerniederung im Westen. Der Marktplatz im Zentrum liegt bei etwa 595 m. Die Iller bildet die westliche Stadt- und zugleich Landesgrenze, und die Memminger Ach durchzieht das Stadtgebiet.
Mehrmonatiger Frost und regelmäßige Schneedecke
Die Höhenlage um 600 m macht sich im Winter deutlich bemerkbar. Die Klimatabelle der Station Memmingen weist für alle drei Wintermonate mittlere Tiefstwerte unter dem Gefrierpunkt aus: Der Januar ist mit einem Tagesmittel von 0,5 °C und einem mittleren Tiefstwert von −3,1 °C der kälteste Monat, gefolgt vom Dezember (−1,5 °C) und dem Februar (−0,4 °C). Wie streng die Kälte tatsächlich ausfällt, zeigt der Blick auf die gemessenen Tageswerte: Allein im Jahr 2025 verzeichnete die Station Memmingen rund 108 Frosttage mit nächtlichem Frost und 24 Eistage, an denen die Temperatur ganztägig unter null blieb.
Für den Winterdienst bedeutet das eine andere Realität als in den tiefer gelegenen Flussstädten: In Memmingen geht es um klassische Winterarbeit — nennenswerten Schneefall, eine über Wochen liegende Schneedecke und langanhaltenden Frost. Dass die Stadt für den Winter mehr als 1.000 Tonnen Streusalz vorhält und mit „strengen Wintern“ rechnet, ist ein praktisches Indiz für diese Schnee- und Glätterealität. Geräumt wird hier ebenso viel wie gestreut.
Räum- und Streupflicht vor Ort
Die grundsätzliche Pflicht, Gehbahnen von Schnee und Eis freizuhalten, leitet sich aus der Verkehrssicherungspflicht ab — der allgemeinen Regel, dass derjenige, der eine Fläche dem Verkehr eröffnet, auch für ihre Sicherheit einzustehen hat. Wie diese Pflicht vor Ort ausgestaltet ist, regelt die Stadt Memmingen in der Straßenreinigungs- und -sicherungsverordnung (StrRSV) (Stadtrecht 6400, als PDF abrufbar). Sie stammt vom 7. Oktober 2015, ist seit dem 1. November 2015 in Kraft und stützt sich auf Art. 51 des Bayerischen Straßen- und Wegegesetzes.
Wer ist verpflichtet — Vorder- und Hinterlieger
In Memmingen trifft die Sicherungspflicht die Anlieger: Nach § 9 Abs. 1 haben die Vorder- und Hinterlieger — die Eigentümer und dinglich Berechtigten der angrenzenden oder mittelbar erschlossenen Grundstücke — die Sicherungsfläche „gemeinsam auf eigene Kosten in sicherem Zustand zu erhalten“. Die Sicherungsfläche ist dabei die ans Grundstück angrenzende Gehbahn (§ 11). Die Fahrbahnen dagegen betreut die Stadt über ihren Bauhof — nach einem abgestuften Plan und nicht überall gleichzeitig. Die Anliegerpflicht lässt sich vertraglich auf Mieter oder einen Dienstleister übertragen, ohne dass die Letztverantwortung des Eigentümers entfällt.
Zeiten
§ 10 Abs. 1 legt die Zeiten fest: Die Vorder- und Hinterlieger haben die Sicherungsfläche „an Werktagen ab 7 Uhr und an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen ab 8 Uhr von Schnee zu räumen und bei Schnee-, Reif- oder Eisglätte … zu bestreuen“. Anschließend sind die Maßnahmen bis 20 Uhr so oft zu wiederholen, „wie es zur Verhütung von Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum oder Besitz erforderlich ist“. Memmingen kennt also — wie viele bayerische Gemeinden — eine spätere Sonn- und Feiertagszeit (8 statt 7 Uhr). Die Morgenzeit ist ein Ergebniszeitpunkt: Bis dahin soll die Gehbahn begehbar sein, nicht erst die Arbeit beginnen. Für die Nachtzeit besteht nach ständiger Rechtsprechung keine durchgehende Winterdienstpflicht.
Die Zwei-Zonen-Räumbreite: 1 Meter, in der Altstadt 2 Meter
Hier liegt eine Besonderheit, die viele Standard-Streupflichttexte nicht abbilden. Memmingen arbeitet mit zwei Räumbreiten. Im Regelfall ist nach § 2 Abs. 2 eine Gehbahn von mindestens 1 m Breite zu sichern, gemessen von der Straßenbegrenzungslinie. Im Altstadtgebiet dagegen schreibt § 2 Abs. 3 bei Fußgängerbereichen ohne abgegrenzten Gehweg einen Randstreifen von 2 m Breite vor. Was zum Altstadtgebiet zählt, legt § 2 Abs. 5 ausdrücklich über die begrenzenden Straßen fest: Königsgraben, Kaisergraben, Mulzergraben, Bahnhofstraße, Kohlschanzstraße, Kohlschanze, Zollergraben, Am Luginsland und Am Kuhberg — wobei diese Straßen selbst zum Altstadtgebiet gehören. Wer in der historischen Innenstadt Flächen betreut, räumt dort also doppelt so breit wie am Standard-Gehweg im Wohngebiet.
Streumittel
Beim Streumittel setzt Memmingen auf abstumpfende Stoffe. Nach § 10 Abs. 1 ist bei Glätte mit „Sand oder anderen geeigneten Mitteln, jedoch nicht mit ätzenden oder umweltschädlichen Stoffen“ zu streuen. Zu Streusalz heißt es: Seine Verwendung „ist jedoch bei besonderer Glättegefahr oder bei außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen (z. B. Eisregen) in dem aus Gründen der Verkehrssicherheit unumgänglich notwendigen Maß zulässig“. Sand und Splitt sind also der Regelfall, Salz bleibt die belegte Ausnahme — etwa bei Eisregen oder an einer vereisten Gefällestrecke. Die Stadt wirbt auf ihrer Bürger-Infoseite zusätzlich für umweltfreundliche Mittel zum Schutz von Pflanzen und Tieren.
Was bei Verstoß droht
Wer seiner Sicherungspflicht nicht nachkommt, riskiert zweierlei. Zum einen ist der Verstoß eine Ordnungswidrigkeit: Nach § 14 der Verordnung in Verbindung mit Art. 66 Nr. 5 BayStrWG kann mit einer Geldbuße bis zu 1.000 € belegt werden, wer vorsätzlich oder fahrlässig die Gehbahnen nicht, nicht rechtzeitig oder mit nicht zugelassenen Mitteln sichert — ausdrücklich auch, wer Streusalz über das notwendige Maß hinaus verwendet. Zum anderen, und in der Praxis meist gewichtiger, droht die zivilrechtliche Haftung aus der Verkehrssicherungspflicht: Stürzt jemand auf einer nicht gesicherten Fläche, kann der Verantwortliche schadenersatzpflichtig werden. In beiden Fällen zählt im Streit, ob und wann tatsächlich geräumt und gestreut wurde — ein nachvollziehbarer Einsatznachweis ist dann oft entscheidend.
Praxis und Besonderheiten
Der Winterdienst des Bauhofs
Auf den Fahrbahnen, Geh- und Radwegen im öffentlichen Auftrag arbeitet der städtische Bauhof, und der Apparat ist der Höhenlage angemessen groß: über 75 Mitarbeitende im Winterdienst, rund 50 Räumfahrzeuge, ein Salzvorrat von mehr als 1.000 Tonnen sowie rund 280 Straßen- und 100 Geh- und Radweg-Kilometer und 30 Bushaltestellen, die zu betreuen sind. Der Einsatz läuft im Schichtbetrieb ab etwa 3 Uhr: Zuerst kontrolliert ein motorisierter Straßenwärter die Glättelage, dann rücken zwischen 3:30 und 6:30 Uhr die Großfahrzeuge aus, ab 5 Uhr die Handräumer. Geräumt wird nach Priorität — verkehrs- und sicherheitswichtige Strecken zuerst, Wohn- und Nebenstraßen „nicht sofort und nicht in jeder Runde“. Wer den kommunalen Winterdienst selbst organisiert, findet die Anforderungen an Stufenpläne und Nachweise gesondert zusammengefasst.
Klinik, Feuerwache und die Prioritätsstrecken
Welche Straßen zuerst drankommen, ist in Memmingen konkret benannt und gut nachvollziehbar. An der Spitze stehen die Bismarckstraße als Zufahrt zum Klinikum und der Rennweg als Zufahrt zur Feuerwache — Achsen, an denen Glätte unmittelbar sicherheitsrelevant wird, weil Rettungs- und Einsatzfahrzeuge hier durchkommen müssen. Dazu zählen Schulbusrouten, die Ring- und Ausfallstraßen sowie Radwege und Bushaltestellen. Für Anlieger in den nachrangigen Wohnvierteln heißt das umgekehrt: Auf der eigenen Gehbahn bleibt die Sicherungspflicht bestehen, auch wenn die angrenzende Wohnstraße erst später geräumt wird.
Altstadtgassen, Hanglagen und gewässernahe Abschnitte
Drei Lagen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Erstens die Altstadt mit ihrer erhöhten 2-m-Sicherungsbreite: enge, teils verkehrsberuhigte Gassen und Fußgängerbereiche, in denen breiter geräumt werden muss als anderswo. Zweitens das Höhengefälle im Stadtgebiet — die Hang- und Waldrandlagen im Osten rund um Eisenburg liegen gut 100 Höhenmeter über der Illerniederung, und auf Gefällestrecken wirkt sich Glätte am stärksten aus. Drittens die gewässernahen Abschnitte an Iller und Memminger Ach: An den Querungen und in Wassernähe entstehen durch Bodenfrost und überfrierende Nässe leicht Glättestellen, und Brücken überfrieren erfahrungsgemäß früher als die angrenzenden Straßen. Verlässliche Wetterdaten zu Temperatur und Taupunkt helfen, den ersten Streugang an solchen Stellen rechtzeitig anzusetzen.
Wenn aus einer Fläche viele werden
Sobald jemand nicht nur den eigenen Hauseingang, sondern mehrere Objekte, Höfe, Zuwege oder Stellplätze betreut — Hausverwaltungen, Gewerbebetriebe, Hausmeisterdienste —, wächst mit der Zahl der Flächen der Aufwand für den Nachweis: wer wann welche Fläche geräumt und womit gestreut hat. In der schneereichen Höhenlage Memmingens, mit über hundert Frosttagen im Jahr und der zweigeteilten Räumbreite in der Altstadt, ist das ein realer organisatorischer Aufwand. Ein sauberes digitales Räumprotokoll und eine nachvollziehbare Dokumentation der Einsätze helfen, den Überblick zu behalten und im Streitfall belegen zu können, dass eine Fläche rechtzeitig gesichert war.
Umland und Nachbargemeinden
Als kreisfreie Stadt ist Memmingen vom Landkreis Unterallgäu umschlossen; im Westen liegt mit Buxheim eine Unterallgäu-Exklave, und jenseits der Iller beginnt der baden-württembergische Landkreis Biberach. Zu den nächstgelegenen Gemeinden zählen Memmingerberg mit dem Allgäu Airport direkt östlich, Trunkelsberg, Benningen und Buxheim, etwas weiter Heimertingen, Lachen, Ungerhausen und Woringen; westlich der Iller folgen in Baden-Württemberg Aitrach, Berkheim und Kirchdorf an der Iller. Sie teilen mit Memmingen das kontinental geprägte Winterklima des Allgäu-Vorlands mit vielen Frost- und Schneetagen, regeln ihre Räum- und Streupflicht aber jeweils in einer eigenen Satzung oder Verordnung — über die Landesgrenze hinweg sogar in einem anderen Landesrecht. Wer seinen Winterdienst über die Stadtgrenze hinaus anbietet, sollte sich deshalb nicht auf die Memminger Regelung verlassen: Gerade die 2-Meter-Breite in der Altstadt, die Sand-statt-Salz-Vorgabe und die genaue Altstadt-Abgrenzung sind örtliches Recht der Stadt Memmingen und gelten nur innerhalb ihrer Grenzen. Auch im weiteren schwäbischen Raum lohnt der Vergleich — etwa mit dem tiefer und damit milder gelegenen Augsburg. Jenseits der Stadtgrenze greifen jeweils andere Zuständigkeiten und teils abweichende Regeln, die gesondert zu prüfen sind.
Ortsspezifische Fakten
- Lage: rund 601 m ü. NHN auf einem alten Gletscherplateau im oberschwäbisch-allgäuischen Vorland, nahe der bayerischen Westgrenze an der Iller (rund 50 km südlich von Ulm). Kreisfreie Stadt, nach Norden, Osten und Süden sowie im Westen (mit der Exklave Buxheim) vom Landkreis Unterallgäu umgeben.Quelle
- Relief: tiefster Punkt 561 m ü. NN an der Iller, höchster Punkt 679 m ü. NN im Eisenburger Wald, Marktplatz bei rund 595 m — etwa 118 Höhenmeter Spanne im Stadtgebiet, von der Illerniederung im Westen bis zu den Hang- und Waldrandlagen im Osten.Quelle
- Größe: 70,11 km² mit 44.378 Einwohnern (Stand 31.12.2025), verteilt auf 27 Gemeindeteile (u. a. Amendingen, Buxach, Dickenreishausen, Eisenburg, Ferthofen, Steinheim, Volkratshofen).Quelle
- Winterklima: in allen drei Wintermonaten liegen die mittleren Tiefstwerte unter dem Gefrierpunkt — Januar Mittel 0,5 °C / Tiefst −3,1 °C (kältester Monat), Dezember −1,5 °C, Februar −0,4 °C (Station Memmingen, 614 m).Quelle
- Frostintensität: An der Station Memmingen (Oberschwaben, 615 m) wurden allein im Jahr 2025 rund 108 Frosttage und 24 Eistage gemessen — ein deutlicher Beleg für die kontinental geprägte Kälte dieser Höhenlage.Quelle
- Maßgebliche Regelung: Straßenreinigungs- und -sicherungsverordnung (StrRSV) der Stadt Memmingen vom 07.10.2015, in Kraft seit 01.11.2015, auf Grundlage von Art. 51 Abs. 4 und 5 des Bayerischen Straßen- und Wegegesetzes.Quelle (PDF)
- Sicherungszeiten (§ 10 Abs. 1): an Werktagen ab 7 Uhr, an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen ab 8 Uhr räumen und bei Schnee-, Reif- oder Eisglätte streuen; Wiederholung bis 20 Uhr so oft wie zur Gefahrenabwehr nötig. Verpflichtet sind Vorder- und Hinterlieger gemeinsam (§ 9 Abs. 1).Quelle (PDF)
- Zwei-Zonen-Räumbreite (§ 2 Abs. 2 und 3): zu sichern ist eine Gehbahn von mindestens 1 m Breite, gemessen von der Straßenbegrenzungslinie; im Altstadtgebiet bei Fußgängerbereichen ohne abgegrenzten Gehweg dagegen 2 m. Das Altstadtgebiet ist in § 2 Abs. 5 über Königsgraben, Kaisergraben, Mulzergraben, Bahnhofstraße, Kohlschanzstraße, Kohlschanze, Zollergraben, Am Luginsland und Am Kuhberg definiert.Quelle (PDF)
- Streumittel (§ 10 Abs. 1): grundsätzlich Sand oder andere geeignete Mittel, nicht ätzende oder umweltschädliche Stoffe; Streusalz nur bei besonderer Glättegefahr oder außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen (z. B. Eisregen) im unumgänglich notwendigen Maß. Verstöße gegen §§ 9 und 10 können nach § 14 i. V. m. Art. 66 Nr. 5 BayStrWG mit einer Geldbuße bis zu 1.000 € geahndet werden.Quelle (PDF)
- Kommunaler Winterdienst: Der Bauhof Memmingen hält für den Winter über 75 Mitarbeitende, rund 50 Räumfahrzeuge und mehr als 1.000 Tonnen Streusalz vor (rund 280 Straßen- und 100 Geh-/Radweg-Kilometer). Zuerst geräumt werden verkehrs- und sicherheitswichtige Strecken wie die Bismarckstraße (zum Klinikum) und der Rennweg (zur Feuerwache); Wohn- und Nebenstraßen folgen nachrangig.Quelle
Offizielle Anlaufstellen
Stadt Memmingen — Sichere Gehwege im Winter (Bürger-Infoseite)
Bürgernahe Zusammenfassung der Anliegerpflichten: Wer als Vorder- und Hinterlieger verpflichtet ist, die Räumzeiten ab 7 bzw. 8 Uhr, die zu sichernde Breite und die Empfehlung, Splitt oder Sand statt Streusalz zu verwenden. Verweist auf die §§ 10/11 der StrRSV. Kontakt Bauverwaltung: 08331/850 2504.
Stadt Memmingen / Bauhof — Winterdienst (Einsatz, Fahrzeuge, Räumpriorität)
Darstellung des kommunalen Winterdienstes durch den städtischen Bauhof: über 75 Mitarbeitende, rund 50 Räumfahrzeuge, Salzvorrat über 1.000 Tonnen, Einsatz im Schichtbetrieb ab etwa 3 Uhr (Glättekontrolle durch einen motorisierten Straßenwärter), Räumpriorität mit Bismarckstraße (Klinikum) und Rennweg (Feuerwache) zuerst. Service-Telefon Winterdienst: 08331/850-900.
Der maßgebliche Verordnungstext vom 7. Oktober 2015, in Kraft seit 1. November 2015 — Grundlage für die Sicherungspflicht der Vorder- und Hinterlieger (§ 9), die Sicherungszeiten (§ 10 Abs. 1), die Streumittel-Regel mit Salz nur bei besonderer Glättegefahr (§ 10 Abs. 1), die zu sichernden Breiten von 1 m bzw. 2 m in der Altstadt (§ 2 Abs. 2/3) samt Altstadt-Definition (§ 2 Abs. 5) und die Ahndung von Verstößen mit Geldbuße bis 1.000 € (§ 14).
Häufige Fragen zum Winterdienst in Memmingen
- Muss ich in Memmingen als Anlieger selbst räumen — oder macht das die Stadt?
- Beides hat seinen Bereich. Für die Gehbahn vor dem eigenen Grundstück sind nach § 9 Abs. 1 der Straßenreinigungs- und -sicherungsverordnung die Anlieger zuständig — und zwar Vorder- und Hinterlieger gemeinsam, also auch Eigentümer von Grundstücken, die nur mittelbar über eine öffentliche Straße erschlossen sind. Sie haben die Sicherungsfläche „auf eigene Kosten in sicherem Zustand zu erhalten“. Die Fahrbahnen übernimmt dagegen der städtische Bauhof, allerdings nach Priorität: Verkehrs- und sicherheitswichtige Strecken kommen zuerst, Wohn- und Nebenstraßen „werden nicht sofort geräumt und nicht in jeder Runde“. Die Gehwegpflicht lässt sich vertraglich auf Mieter oder einen Dienstleister übertragen; die Letztverantwortung bleibt beim Eigentümer.
- Bis wann muss in Memmingen morgens geräumt sein — und gilt sonntags eine spätere Zeit?
- Ja, sonntags beginnt die Pflicht später. Nach § 10 Abs. 1 sind die Sicherungsflächen an Werktagen ab 7 Uhr und an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen ab 8 Uhr von Schnee zu räumen und bei Schnee-, Reif- oder Eisglätte zu bestreuen. Anschließend sind die Maßnahmen bis 20 Uhr so oft zu wiederholen, „wie es zur Verhütung von Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum oder Besitz erforderlich ist“. Die Anfangszeit ist ein Ergebniszeitpunkt: Bis 7 bzw. 8 Uhr soll die Gehbahn begehbar sein, nicht erst die Arbeit beginnen. Für die Nacht besteht nach allgemeiner Rechtsprechung keine durchgehende Streupflicht.
- Wie breit muss die geräumte Gehbahn in Memmingen sein — und was gilt in der Altstadt?
- Das hängt vom Ort ab, und genau hier ist Memmingen besonders. Im Regelfall ist nach § 2 Abs. 2 eine Gehbahn von mindestens 1 m Breite zu sichern, gemessen von der Straßenbegrenzungslinie. Im Altstadtgebiet dagegen, bei Fußgängerbereichen ohne abgegrenzten Gehweg, schreibt § 2 Abs. 3 einen Randstreifen von 2 m Breite vor. Was zum Altstadtgebiet gehört, legt § 2 Abs. 5 ausdrücklich fest: Es wird von Königsgraben, Kaisergraben, Mulzergraben, Bahnhofstraße, Kohlschanzstraße, Kohlschanze, Zollergraben, Am Luginsland und Am Kuhberg begrenzt, wobei diese Straßen selbst dazugehören. Wer in der Innenstadt sichert, räumt dort also doppelt so breit wie am Standard-Gehweg im Wohngebiet.
- Darf ich in Memmingen Streusalz verwenden?
- Nur ausnahmsweise. Nach § 10 Abs. 1 ist bei Glätte grundsätzlich mit „Sand oder anderen geeigneten Mitteln, jedoch nicht mit ätzenden oder umweltschädlichen Stoffen“ zu streuen. Streusalz ist nur erlaubt „bei besonderer Glättegefahr oder bei außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen (z. B. Eisregen)“ — und auch dann nur „in dem aus Gründen der Verkehrssicherheit unumgänglich notwendigen Maß“. Auf der normalen Gehbahn bleibt es also bei Sand oder Splitt; Salz ist die belegte Ausnahme für vereiste Gefahrenlagen. Die Stadt wirbt zusätzlich aktiv für umweltfreundliche Mittel zum Schutz von Pflanzen und Tieren. Der unnötige Salzeinsatz ist nicht nur unerwünscht, sondern kann nach § 14 als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.
- Warum ist Memmingen so frost- und schneegeprägt?
- Das liegt an der Höhenlage. Memmingen liegt auf rund 600 m auf einem alten Gletscherplateau im Allgäu-Vorland — eine kontinental geprägte Lage mit langen Frostperioden und regelmäßiger Schneedecke. Die Zahlen sind deutlich: In allen drei Wintermonaten liegen die mittleren Tiefstwerte unter null (Januar bis −3,1 °C), und allein im Jahr 2025 verzeichnete die Station Memmingen rund 108 Frosttage und 24 Eistage mit ganztägigem Frost. Anders als eine glättedominierte Flussstadt erlebt Memmingen damit klassische Winterarbeit: nennenswerter Schneefall und mehrmonatiger Frost. Entsprechend groß ist der städtische Apparat — über 75 Mitarbeitende, rund 50 Fahrzeuge und mehr als 1.000 Tonnen Salzvorrat.
- Welche Strecken räumt die Stadt Memmingen zuerst?
- Die Stadt arbeitet nach Priorität. Zuerst kommen die verkehrs- und sicherheitswichtigen Achsen — ausdrücklich genannt sind die Bismarckstraße als Zufahrt zum Klinikum und der Rennweg als Zufahrt zur Feuerwache, dazu Schulbusrouten, Ring- und Ausfallstraßen, Radwege und Bushaltestellen. Der Einsatz beginnt im Schichtbetrieb ab etwa 3 Uhr, nachdem ein motorisierter Straßenwärter die Glättelage kontrolliert hat. Wohn- und Nebenstraßen folgen nachrangig und „nicht in jeder Runde“. Für Anlieger in solchen Vierteln heißt das: Auf der eigenen Gehbahn bleibt die Sicherungspflicht bestehen, auch wenn die angrenzende Fahrbahn erst später an der Reihe ist.
- Was droht, wenn in Memmingen nicht geräumt oder gestreut wird?
- Zweierlei. Zum einen ist der Verstoß eine Ordnungswidrigkeit: Nach § 14 der Verordnung in Verbindung mit Art. 66 Nr. 5 des Bayerischen Straßen- und Wegegesetzes kann mit einer Geldbuße bis zu 1.000 € belegt werden, wer vorsätzlich oder fahrlässig die Gehbahnen nicht, nicht rechtzeitig oder mit nicht zugelassenen Mitteln sichert. Zum anderen, und in der Praxis meist gewichtiger, droht die zivilrechtliche Haftung aus der Verkehrssicherungspflicht: Stürzt jemand auf einer nicht gesicherten Fläche, kann der Verantwortliche schadenersatzpflichtig werden. In beiden Fällen kommt es darauf an, ob und wann tatsächlich geräumt und gestreut wurde.
Einsätze in Memmingen dokumentieren
Wer in Memmingen räumt und streut, will im Zweifel nachvollziehbar zeigen können, wann und wo gestreut wurde. Schneespur ist eine quelloffene Software, die genau solche Einsätze festhält — Zeit, Ort und Witterung, als ruhige Grundlage für die eigene Dokumentation der Verkehrssicherungspflicht.
Dieser Überblick dient der Information und ist keine Rechtsberatung. Angaben ohne Gewähr; verbindlich ist stets die örtliche Satzung.