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Schneespur
Branche · 6 min Lesezeit

Warum es Schneespur gibt — und wer dahintersteckt

Vor gut fünf Wochen fragte mich ein Kollege, ob ich ihm etwas für seinen Winterdienst bauen kann. Daraus wurde Schneespur. Die Geschichte hinter dem Projekt — und warum es Open Source ist.

Von Michael Fuchs

Vier Terminal-Fenster mit Claude Code nebeneinander: rechts oben die Arbeit an schneespur.de, rechts unten an wintertrace.com, links oben am Auslieferungsdienst Jenni, links unten an Schneespur mit dem Workflow Get Shit Done.
Ein Blick hinter die Kulissen: vier Claude-Code-Terminals gleichzeitig im Einsatz — rechts schneespur.de und die englische Schwesterseite wintertrace.com, links der Auslieferungsdienst Jenni und (mit Get Shit Done) Schneespur selbst.

Es fing mit einer Frage an

Vor gut fünf Wochen, Mitte April, hat mich mein Kollege Julian etwas gefragt. Wir hatten uns übers Vibe Coding unterhalten — also darüber, wie man heute mit KI ganze Programme baut — und irgendwann kam die Frage: ob ich ihm nicht etwas für seinen Winterdienst bauen könnte, den er nebenbei macht.

Im Kern ging es ihm um eine Sache: die Einsätze sauber aufzeichnen. Am besten per GPS, als Nachweis. Wer war wann wo, wann wurde geräumt, wann gestreut.

Klang erstmal überschaubar. Ist es dann nicht geblieben.

„Ich zieh das größer auf”

Noch am selben Tag habe ich mit Claude Code und einem strukturierten KI-Workflow namens Get Shit Done (kurz GSD) angefangen. Und ziemlich schnell war für mich klar: Ich mache daraus nicht nur ein kleines Tool für Julian — ich zieh das größer auf.

Warum? Ehrlich gesagt: weil ich Lust darauf hatte.

So entstand Schneespur — eine Software, die Räum- und Streueinsätze digital dokumentiert, auf gewöhnlichem Webhosting läuft und das Ganze als PDF-Einsatznachweis ausgibt. Es gibt sie übrigens auch auf Englisch, als internationale Schwesterseite wintertrace.com. Warum mehrsprachig? Warum nicht.

Aus einem Projekt wurden mehrere

Was als „bau mir mal was” anfing, ist inzwischen ein kleines Ökosystem. Denn kaum lief die erste Version, stellte sich die nächste Frage: Was passiert, wenn die Software neue Funktionen bekommt?

Muss dann jeder alles neu installieren? Per FTP hunderte Dateien hochladen und überschreiben? Und wie erreiche ich überhaupt die Leute, die Schneespur schon installiert haben?

Also brauchte es ein automatisches Update — und dafür wiederum einen technischen Unterbau. So entstand nebenbei Jenni, ein eigener Dienst fürs Ausliefern von Downloads, Updates und Modulen, den ich irgendwann selbst als Open Source bereitstellen möchte — unter jenni.download. Seitdem hält sich Schneespur von allein aktuell.

Warum Module?

Julian reicht eine einfache Installation. Andere Betriebe haben mehr Personal, brauchen mehr Funktionen, vielleicht Wartungsmodule. Alles fest in eine Software zu packen, macht sie für alle unübersichtlich — und Schneespur soll für alle nutzbar sein.

Die Antwort sind Module. Der Core bleibt schlank und für jeden gedacht; wer mehr braucht, schaltet Module dazu.

Daran wird gerade gearbeitet. Es gibt bereits ein erstes Modul: ein Diagnose-Modul, mit dem sich Fehlermeldungen unkompliziert an mich übermitteln lassen (auch dafür ist wieder ein eigener kleiner Dienst entstanden). Der Plan ist, dass sich über Module so ziemlich alles erweitern lässt — Benachrichtigungen, Wetterprovider, Mitarbeiterverwaltung, Reports, Audits, länderspezifische Regelungen und Vorschriften, die App-Variante (PWA), Exporte und mehr.

Und wer baut das alles?

Gute Frage. Bin ich überhaupt im Winterdienst?

Nein. Mein Name ist Michael Fuchs, 37, gebürtiger Passauer, gelernter Koch und seit über acht Jahren Lkw-Fahrer. Mit Programmieren, Webseiten und dem Internet beschäftige ich mich schon länger; seit etwa einem Jahr ziemlich intensiv auch mit KI — vom Blog mit eigenem KI-Charakter bis zum Vibe Coding von WordPress-Plugins und eigenen Diensten. So wie diesem hier.

Das heißt auch: Der eigentliche „Programmierer” von Schneespur bin streng genommen nicht ich, sondern Claude Code zusammen mit GSD. Das darf man ruhig wissen. Was nicht bedeutet, dass da blind eine Datei nach der anderen entsteht. Inzwischen sind wir bei Meilenstein 15. Jeder Meilenstein besteht aus fünf bis sechs Abschnitten, jeder davon aus vier bis sieben Aufgaben — dazu Recherche, Tests und ich, der sich das Ganze ansieht. Ich diskutiere mit der KI, teste die Live-Version und habe so schon einige Fehler gefunden, die sie selbst übersehen hatte.

Eine Datei hochladen, fertig

Apropos Technik für Menschen, die damit eigentlich nichts am Hut haben: Gerade ist noch eine „Eine-Datei”-Installation dazugekommen. Sie laden über Ihr Webhosting (zur Not per Web-FTP) eine einzige Datei hoch — und die holt sich dann die aktuelle Software selbst.

Denn seien wir ehrlich: Nicht jeder Winterdienstler kennt sich mit FTP aus. Und rund 16 MB in hunderten Einzeldateien hochzuladen, ist mühsam. So geht es deutlich schneller.

Für wen das Ganze ist

Schneespur ist in erster Linie für den ganz normalen Winterdienst gedacht. Vom Funktionsumfang her ließe es sich auch in größeren Firmen mit Mitarbeitern einsetzen — die haben aber oft noch ganz andere Ansprüche und brauchen mehr Funktionen. Genau dafür kommen ja die Module. 😉

Wo es gerade steht

Aktuell ist Version 1.0.5 online. Der nächste Release, 1.1.0, kommt in wenigen Tagen: ein paar Bugfixes und vor allem die umfangreiche Öffnung und Vorbereitung für Module. Danach folgen weitere Module, damit das Diagnose-Modul nicht so allein dasteht. Was es bisher schon gibt, steht im Changelog; wohin die Reise geht, in der Roadmap.

Warum Open Source — und kostenlos?

Weil ich Spaß daran habe. So einfach ist das.

Schneespur ist Open Source, der Quellcode liegt offen auf GitHub. Finanziert wird das Ganze: gar nicht — es ist ein Hobby. Vielleicht kommt später, je nach Bedarf und Interesse, das eine oder andere dazu: Managed Hosting, kostenpflichtige Module, ein Installationsservice, exklusive Arbeiten. Aber der Kern soll nutzbar bleiben. Für alle.

Wenn Sie Winterdienst machen und Schneespur ausprobieren möchten — oder eine Idee haben, was noch fehlt — freue ich mich über Ihre Rückmeldung.

— Michael

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  • Hintergrund
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